Physiotherapie Luftbrücke

 Hilft die Verwendung von Eis nach einer Sportverletzung?

In letzter Zeit häuft sich immer mehr die Empfehlung Eis nach einer Sportverletzung nicht zu applizieren. Es würde den Heilungsprozess verlangsamen bzw. stören und somit kontraproduktiv sein.

Klassisch wird Eis in Kombination mit dem RICE-Verfahren angewendet, also "Rest, Ice, Compression, Elevation". Nun zeigen diverse Studien im Laufe der letzten Jahre, dass die Verwendung von Eis die im Körper notwendige Entzündung behindern würde und die Proliferation des Zellgewebes stört, also das Wachstum von Gewebe nach einer Verletzung. Somit würde die Remodellierung nach einer Verletzung gestört werden. In der Tat verzichten mittlerweile viele Sportphysiotherapeuten und generell Sportvereine auf die Verwendung von Eis nach einer Verletzung.

Folgende Ergebnisse lassen sich aus einer Studie von Takagi et al. nach der Verwendung von Eis im Vergleich zu einer Nichtverwendung ziehen:

- weniger Makrophagen bei der Verwendung von Eis (Makrophagen säubern quasi das beschädigte Gewebe)
- weniger regenerierende Muskelzellen
- kleinere regenerierte Muskelzellen
- abnormale Kollagenproduktion (die Kollagenproduktion ist normal, doch kann eine zu starke Kollagenproduktion zu einer reduzierten Kontraktionsfähigkeit im Muskel führen)

Obwohl diese Ergebnisse eindeutig wirken muss hier etwas relativiert werden, da in dieser Studie Raten ein Muskeltrauma zugefügt wurde. Obwohl also die Ergebnisse in Bezug auf ein Muskeltrauma klar zu sein scheinen, gibt es dennoch widersprüchliche Studienergebnisse, vor allem auch was die Verletzungsart anbelangt. Denn das Aufkommen von Entzündungsprozessen ist u.a. abhängig von der Art und Stärke der Verletzung. Das Argument eine Entzündung sei natürlich und würde von dem Eis unterdrückt werden, würde jede Verwendung von Medikamenten obsolet machen. Daher müssten wir nach dieser Argumentationsgrundlage auf alles verzichten, was den natürlichen Ablauf unseres Körpers stört. Sei es die Verwendung von Schmerzmitteln oder zum Zahnarzt zu gehen und sich den "natürlichen" Zahnstein entfernen zu lassen. Grundsätzlich ist es richtig, dass nach einer Verletzung Entzündungsprozesse in Gang gesetzt werden, doch unser Körper neigt manchmal zur Übertreibung.

Jede "geschlossene" muskuläre oder bindgewebige Verletzung führt ebenfalls zu einer starken Immunreaktion, die das Aufkommen von Entzündungsmarkern verstärkt. An dieser Stelle neigt der Körper gerne zur Überreaktion, da die Immunreaktion teilweise stärker ausfällt, als tatsächlich notwendig, da die Wahrscheinlichkeit einer Infektionen äußert gering ist (keine offene Verletzung). Daher würde es an dieser Stelle Sinn machen die starke Immunreaktion etwas durch die Verwendung von Eis abzubremsen. Muskelkater sollte nicht mit Eis behandelt werden, da es tendenziell die Regeneration eher stört und das regenerierte Gewebe wahrscheinlich eine schlechtere Qualität aufweist als das ursprüngliche (siehe oben).

Sollte Eis also verwendet werden, empfiehlt es sich das Eis direkt auf die Haut zu legen, damit es besser in das Gewebe einwirken kann. Natürlich ist darauf zu achten, dass es zu keinen Verbrennungen kommt. Die Applikation sollte ca. 3 Minuten dauern und spätestens dann beendet werden, wenn das Areal taub wird. Nach der erneuten Durchblutung und der Erlangung der ursprünglichen Hauttemparatur kann das Eis wieder verwendet werden. Der Vorgang sollte bis zu 15 Minuten nach der Verletzung wiederholt durchgeführt werden. Eine weitergehende Verwendung scheint in der Tat nicht nützlich. Stattdessen sollte lieber auf die Kompression gesetzt werden. Flossing wäre eine geeignete Maßnahme, um die Schwellung zu reduzieren und die Gewebeheilung zu beschleunigen.

Ob Eis tatsächlich eine optimale Wirkung entfalten kann ist sehr unterschiedlich und muss in Zukunft noch stärker beleuchtet werden. Wenn man jedoch damit gute Erfolge erzielen konnte, sollte man sich auf Grund neuer Berichte und Studien nicht verrückt machen und im Einzelfall entscheiden, ob es angebracht ist oder nicht